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Über Geduld im künstlerischen Prozess

Ich wurde schon mehrfach gefragt, wann denn der Rest der Kezia-Serie fertig wird. Da ich mich entschieden hatte, die ersten Bilder schon zu posten und auf die Seite zu stellen, kann man schließlich nachvollziehen, wie lang es insgesamt dauert.

 

Dass das länger ist als ursprünglich geplant, ist eine Lektion, die ich immer wieder lernen muss – dass der kreative Prozess kein Sprint ist, sondern ein Marathon. Der wird vor allem dann anstrengend, wenn schon wieder neue Ideen im Hinterkopf herumschwirren und umgesetzt werden wollen.

 

Hinzu kommt das restliche Leben – alles, was uns von der Arbeit abhält oder was sonst gerade Priorität hat. Ende letzten Jahres war es mir beispielsweise wichtiger, die Website auf Vordermann zu bringen, als die Bildserie fertig zu stellen. Das war eine bewusste Entscheidung.




 

Wie lange dauert ein Bild?

 

Das hängt sehr vom Medium, der Bildgröße und dem Motiv ab. Meine Urban Sketches, die unterwegs entstehen, sind normalerweise in etwa ein bis anderthalb Stunden fertig – inklusive Vorzeichnung, Reinzeichnung und Colorierung.

 

Die Fertigstellung eines Acryl-Bildes kann dagegen Monate dauern. Portraits dauern meist länger als abstrakte Motive, weil ich es schwieriger finde, eine interessante Komposition zu finden, wenn ich gleichzeitig versuche, das Aussehen und die Persönlichkeit einer Person zu treffen.

 

Natürlich arbeite ich nicht konstant an den Bildern, sondern immer wieder. Sie sind so platziert, dass ich sie oft sehe und überlege, wie es damit weitergeht. Alle großen und kleinen Änderungen addieren sich im Lauf der Zeit, bis ich irgendwann merke: Jetzt ist es genug, es ist fertig.

 

Künstliche Deadlines helfen mir kaum, da ich ein Bild nicht ohne Not für "fertig" erkläre, wenn ich nicht der Meinung bin, dass es das tatsächlich ist. Ich feile so lange, bis ich es gerne anschaue und zeige.

 

Eine Reise ins Ungewisse

 

Es gibt kein Rezept für gute Bilder. Natürlich kann man einen Plan "abarbeiten" oder ein Rezept, das einmal funktioniert hat, wiederholen. Manche Künstler:innen machen das jahrelang, wenn sie ihr Rezept gefunden haben.

 

Hätte ich einen feststehenden (Portrait-) Stil, den ich einfach nur weiter durchziehen würde, wäre ich persönlich aber schnell gelangweilt und wette, dass man das meinen Bildern auch ansehen würde.

 

Stattdessen entwickle ich mich weiter, suche nach neuen Motiven und schaue, welche Techniken und Inhalte mich gerade reizen. Ich will kreativ sein, Neues erschaffen und dafür müssen meine Bilder reifen und sich verändern.

 

Im zweiten Teil der Kezia-Serie habe ich beispielsweise mit Text und Anleihen an Graffiti-Stile gearbeitet. Die Bilder sind jetzt auch ganz frisch in der Kezia-Galerie dazu gekommen.


Da es auf dem Album, das mit als Inspiration gedient hat, in diesen drei Songs um eine andere Person geht als in denen davor, sollten die zugehörigen Bilder ebenfalls einen ganz eigenen Charakter bekommen. Dennoch gehören sie optisch zur gleichen Serie, haben das gleiche Format, beinhalten die gleichen Farben, weisen eine ähnliche Detailtiefe auf.

 



 

Wie sich diese Bilder entwicklen würden, war anfangs überhaupt nicht klar. Trotz der umfangreichen Recherche konnte ich nicht planen, wie sie schlussendlich aussehen würden. Ich musste mich auf den Prozess einlassen.

 

Damit der Prozess nicht in Frust und dem Abbruch von Projekten endet, habe ich ein paar Tipps gesammelt, die mir helfen.

 

5 Tipps für mehr Geduld im künstlerischen Prozess:

 

  1. Ändere deine Erwartungshaltung: Rechne damit, dass ein Projekt länger dauert und anstrengender wird, als du es gerne hättest. Plane Puffer ein und stress dich nicht.

  2. Habe Vertrauen in den Prozess: Du wirst am Anfang eines Projektes nicht alle Antworten kennen. Nach einem vielversprechenden Start folgt oft ein Tief, wenn nicht auf Anhieb alles glatt läuft. Lerne, diese Ungewissheit auszuhalten und du wirst an den Herausforderungen wachsen.

  3. Entwickle Routinen: Diese helfen dir dabei, die nötige Zeit in deine Arbeiten zu investieren. Fest geblockte Zeiten im Kalender und ein Ritual bei Betreten des Ateliers sind ein guter Anfang, sei es nun ein bestimmter Song oder eine Tasse Tee. Es soll sich gut anfühlen, wenn du anfängst, kreativ zu werden. Dann wirst du es regelmäßiger in deinen Alltag integrieren können und Stück für Stück voran kommen.

  4. Sei mutig: Manchmal verlieben wir uns zu früh in etwas, an dem wir gerade arbeiten. Wir wissen, dass es noch nicht gut oder fertig ist, aber wir haben trotzdem Angst, es zu zerstören. In solchen Momenten mache ich ein Foto und probiere digital aus, was daraus werden kann. Und wenn ich denke, das ist es, so kann es gehen, dann geht's wieder zurück an den Pinsel. Ich glaube, dass die meisten Meisterwerke erst nach vielen Iterationen großartig geworden sind. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

  5. Sorge für Abwechslung: Damit du dich innerhalb eines Projektes nicht langweilst, wechsle bewusst zwischen mehreren Bildern (deshalb ist es von Vorteil, in Serien zu arbeiten), zwischen verschiedenen Medien (der bereits erwähnte Wechsel zwischen analog und digital hilft so oft), Werkzeugen und Teilaufgaben (z.B. Recherche und Umsetzung). Wenn du dir bei etwas unsicher bist, mache dazu eine Serie kleiner Experimente und probiere es aus. Nutze jede Form der Abwechslung, um den Prozess für dich spannend zu halten. Vieles zu diesem Thema wurde übrigens in dem Buch "Nea Machina – Die Kreativitätsmaschine" von Thomas und Martin Poschauko eindrucksvoll herausgearbeitet und demonstriert. Ein tolles Werk über die Wirkweise von Kreativität im Alltag von Gestalter:innen!

 

Für die restlichen Bilder der Serie müsst ihr euch noch etwas gedulden, genau wie ich ;)

 

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