Ateliernotizen: Papier auf Holz – wie geht das?
- Jeanette Bohn

- 10. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Der Moment der Wahrheit ist gekommen. Vorsichtig nehme ich ein Buch nach dem anderen vom Stapel. Unter den zum Beschweren geschichteten Büchern liegen zwei Holzpanels, auf die ich zwei Flow-Arbeiten montiert habe. Etwas, das ich noch nie gemacht habe! Und ich will endlich wissen, ob es geklappt hat.

Was bisher geschah
Eine Woche vorher: Vor mir liegen zwei Mixed-Media-Arbeiten auf welligem Papier. Dass sich Papier nach dem Bemalen wellt, passiert oft, vor allem bei sehr nassen Farben. Und in der Regel ärgere ich mich darüber. Aber heute ich bin guter Dinge, weil ich beschlossen habe, dieses Problem zu lösen und nicht nur das Papier zu glätten, sondern auch zu versuchen, es auf Holz aufzuziehen.
Der Prozess involviert mehrere Schritte und diverse Trockungsphasen dazwischen. Ich bin startklar und weiß, dass ich Geduld brauche.
Um die Papiere zu glätten, werden sie rückseitig gewässert und für vier Tage gepresst. Das Schwerste daran ist, nicht nachschauen zu dürfen, wie sie sich entwickeln, um den Prozess nicht zu gefährden. (Ich hätte spontan "lunzen" gesagt, aber das scheint wieder mal so ein regionaler Begriff zu sein).

Während dieser Zeit bereite ich die Holzpanels vor. Zuerst schleife ich sie an und klebe die Kanten ab. Dann müssen sie mehrfach beschichtet werden. Und natürlich müssen auch diese Schichten trocknen. Also plane ich mir jeden Tag ein bisschen Zeit ein, um die einzelnen Schritte zu erledigen.


Erst als das alles erledigt ist, darf ich die (mittlerweile glatten) Papiere vorsichtig auf den Panels platzieren – um sie dann abermals einen Tag zu pressen.
Die Spannung steigt
Es ist also kein Wunder, dass ich jetzt so aufgeregt bin. Als ich endlich das letzte Buch anhebe und die beklebten Panels das erste Mal in Augenschein nehme, bin ich - - erleichtert! Die Klebung ist glatt, ich sehe keine Luftblasen oder ähnliches. Beim ersten Versuch hätte ich ehrlich gesagt erwartet, dass das weniger gut klappt.
Ich widme mich den letzten Schritten – dem Abschneiden des Papierüberschusses und dem Abschleifen an den Seiten.

Beides funktioniert ganz gut und endlich halte ich meine ersten beiden Papierarbeiten auf Holz in den Händen.

Ein Wort der Warnung: Wer das selbst mal ausprobieren will, sollte sich vorher gut einlesen, erstmal nur mit Testmotiven arbeiten und die Arbeiten mit Fixativ und/oder Firnis versiegeln, damit nichts schief geht.
Handwerk Kunst
Allgemein bin ich immer wieder überrascht, wieviel Handwerk in der Kunst steckt. Damit meine ich all jene Schritte, die mit der Gestaltung der Werke eigentlich nichts zu tun haben, aber trotzdem notwendig sind, um diese zu finalisieren. Ich gehe dafür fast genauso oft in den Baumarkt wie zum Künstlerbedarf.
Zu wissen (oder zu ahnen), wieviel Handarbeit in einem Werk steckt, lässt es in meinen Augen auch direkt wertvoller erscheinen. Nicht nur im preislichen Sinne, sondern auch in der emotionalen Wertschätzung.
Niemals ausgelernt
Immer wieder entdecke ich Dinge, die ich noch nicht weiß und Prozesse, die ich noch nicht kann. Diese zu lernen, mag hier und da mühselig sein, aber immer lohnenswert. Ich genieße es, Dinge zu erschaffen und am Ende etwas in der Hand zu haben, was ich selbst gemacht habe. Das gilt eben nicht nur für die Gestaltung auf Papier oder Leinwand, sondern auch um alles drum herum. Immerhin wird es so nicht langweilig ;) Und was lernst du als nächstes?
Flow Motive im Verkauf
Meine Arbeiten aus der Flow-Serie findest du jetzt auch in meinem Portfolio. Hast du Interesse an einem Werk? Dann schreib mir einfach!



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